Über mich

Michael Opoczynski © privatIch könnte es mir jetzt gut gehen lassen. Als WISO-Moderator gerade in den so genannten Ruhestand geschickt. Gut versorgt. Die Zukunft müsste mich nicht beunruhigen. Ich könnte mich zurücklehnen und in den Himmel schauen.

Wer im Ruhestand ist, hat ein natürliches Recht darauf, die Gegenwart zu genießen. Der letzte Lebensabschnitt hat begonnen. Vielleicht ist er lang, vielleicht nur kurz, niemand weiß das. Deshalb darf man die Verantwortung an die Jüngeren übergeben. Darf man? Nein, man darf es nicht!

Denn: Wer muss denn das Geld für meine Rente aufbringen? Und noch weiter in die Zukunft geblickt: Wer wird denn dereinst die Rente für meinen Sohn erarbeiten, der kürzlich volljährig geworden ist und seine berufliche Orientierung sucht? Wer hat das Geld, die schleichende Zerstörung unserer Straßen, Leitungen, Brücken und Häuser aufzuhalten? Wer sagt Stop angesichts der sich verselbständigen politischen Kaste? Und die Umwelt? Was ist das da für ein Teppich aus Plastikmüll im Meer? Und sollen wir wegschauen, wenn das Klima ganz Teile der Erde versteppen lässt, das Wasser versiegen lässt, während zugleich der Meeresspiegel steigt? Ich hinterlasse einen ökologischen Fußabdruck. Und ich ahne, dass man mir und meiner Generation diese Abdrücke irgendwann wird vorhalten können.

Nein, ich will nicht träumerisch in den Himmel schauen und die Zustände auf der Erde übersehen. Also nix mit Ruhestand. Ich habe mir ein Büro genommen und fahre (wenn möglich täglich) mit dem Fahrrad dorthin. Ich habe nicht die Absicht, meine Zeit mit Skat oder Fliegenfischen zu verbringen. Golf ist ein Auto und kein Sport für mich. Ich will Position beziehen, darüber schreiben und diskutieren. Nicht demnächst. Sondern im Hier und Jetzt.

Noch etwas über mich? Also: Ich habe (lang ists her) Politikwissenschaften studiert, war in den Siebzigern Assistent von Hans Matthöfer (SPD) in dessen Zeit als parlamentarischer Staatssekretär. Ich war Pressesprecher der SPD in Hessen. Ich hatte ein Zwischenspiel als Mitarbeiter, genauer: als Texter in einer Werbeagentur in Frankfurt. Das war gut, um klares Schreiben zu lernen, schnörkellose Sprache. Dann, ab 1980 beim ZDF. Erst als Reporter, dann zuletzt Leiter der Wirtschaftsredaktion und Moderator der Sendung WISO.

Alternativen: Früh oder spät? Früh. Kochen oder kaufen? Kochen. Lachen oder weinen? Lachen. Tochter oder Sohn? Sohn. Aldi oder KDW? Beides. PC oder Mac? Mac. Wein oder Bier? Wein. Anzug oder Jeans? Je nachdem. TV oder Kino? Kino. Hamburg oder München? Hamburg. Lesen oder Schreiben? Beides!

Jetzt aber genug der Worte über mich. Denn meine Schäfchen sind im Trockenen.
Es geht um „Uns“ und ich hoffe, dass wird allen klar, die sich auf diesen Blogseiten ein wenig umsehen …