02.06.2016

Weggeschaut: Armut im Alter

Jubelmeldungen überall: Die deutsche Wirtschaft wächst. Es gibt mehr als 43 Millionen Erwerbstätige. Der Handel meldet Kunden mit Geld in den Taschen. Die Bauwirtschaft freut sich über einen Boom. Alles gut.

Wirklich? Alles gut?

Angesichts des Jubels im Wirtschaftsteil der Zeitungen gerät etwas aus dem Blick. Wie zum Beispiel die Betroffenen der sogenannten „9/10-Regelung“ um ihre Altersversorgung kämpfen. Sie melden sich auf diesem Blog zahlreich zu Wort. Weil sie anderswo kaum Gehör finden.

Heute ist es diese Gruppe, die ihre finanzielle Lage als demütigend empfindet, zumal die meisten von ihnen Jahrzehnte lang ihren Beitrag geleistet haben: als hart arbeitende Arbeitnehmer/innen oder einsatzbereite Mütter. Sie protestieren gegen Ungerechtigkeit und nicht von ihnen zu verantwortende Altersarmut.

Heute sind sie es. Morgen andere Gruppen unserer Gesellschaft. Seit Jahren wird an der Rente herumgebastelt. Mit Konstruktionen wie Riester-Rente oder Rürup-Rente soll gegen eine sinkende gesetzliche Rente und deshalb drohende Armut vorgesorgt werden. Jetzt wird es offensichtlich: diese Pläne funktionieren nicht. Die private Vorsorge bringt den Versicherungen viel Provision und den Beitragszahlern wenig Rente. Die gesetzliche Rente wird auch Menschen, die jahrelang hart gearbeitet haben, kein Auskommen im Alter ermöglichen.

Da kommt auf viele Menschen etwas zu, was sie nicht verschuldet haben, was sie aber zu Opfern macht. Sie werden die Betroffenen einer Politik sein, die seit Jahren wegschaut. Läuft doch gut – mit der Wirtschaft und mit der Arbeit. Ja, hier und jetzt! Aber danach? Was kommt dann? Bis heute fehlen Lösungen. Sie werden nicht vom Himmel fallen, sondern sie müssen entwickelt werden. Von den Politikern, die von den Wählen den Auftrag erhalten haben, eine angemessene soziale Politik zu machen. Wenn das jetzt nicht passiert, wird es zu spät sein.

Kommentare

  • Volkhard Ehlert 21. April 2017

    Tatsächlich ist es die Verstärkung der Ungerechtigkeit des Marktes durch unsere schiefe unsoziale und ungerechte Staatsfinanzierung über die Lohnkosten; sie ist die Hauptursache der zunehmenden Altersarmut bei den (Niedrig- )Lohnempfängern,
    Die Politik versteht nicht, was sie damit angerichtet hat: sinkende Staatsabgabenlast bei steigendem Einkommen (bei monatlich 3000€ ca.64% und bei 30000€ nur noch ca. 50% Zwangsabgaben(incl. Mwst.) an den Staat!)!!
    http://volkhardehlert.de/Mopot-Beschaeftigungskonzept.html

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